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Give-me-five: Besser texten mit der 5-Dimensionen-Technik (Nachrichten-Zukunft #5)

25. September 2016

Zu lang, zu kompliziert, ein Verhau an Details: Radio-Nachrichten sind oft alles andere als Geschichten aus einem Guss. Ursache kann die Meldungs-Struktur sein, wie sie von alters her gelehrt wird: Die Neuigkeit in den Lead, rasch die Quelle dazu, dann die Details, letztendlich den Kontext. Problem: Diese Struktur fragt nicht präzise genug nach allen zentralen Aspekten einer Story. Hier kann die 5-Dimensionen-Technik weiterhelfen – besonders jungen Kollegen, die neu sind im Job. 

Sie ist kein Nachrichten-„Gesetz“, sondern „nur“ ein Hilfsmittel. Eines freilich, das dazu beitragen kann, rascher und zuverlässiger zu vorzeigbaren Texten zu kommen: Die 5-Dimensionen-Technik. Sie besagt im Kern: Jede Nachricht hat 5 elementare „Dimensionen“, die im Text abgebildet werden müssen. Die ersten beiden sind zunächst keine Überraschung; sie stammen aus der von alters her üblichen Machart von Nachrichten:

1) Was ist „die News“? (die Neuigkeit)
2) Woher weiß ich, was ich weiß? (die Quelle)

Dann allerdings wird die 5-Dimensionen-Technik konkreter und präziser. Sie fragt nicht allgemein (und unscharf) nach „Details“, sondern packt bestimmter zu:

3) „Warum ist etwas so?“ (die Vorgeschichte, der Blick „zurück“)
4) „Welche Folgen hat das?“ (der Blick „nach vorn“)
5) „Was ist der nächste konkrete Schritt?“ („what´s next“)

Arbeitspraktisch sieht das so aus: Ist eine Meldung zu schreiben, klären wir zunächst die fünf Dimensionen eines Stoffes – und zwar im Kopf und nicht auf dem Papier bzw. am Bildschirm. Wir beantworten die fünf Fragen (also Dimensionen) in jeweils einem (und „nur“ einem) leicht zu sprechenden, umgangssprachlichen Hauptsatz.

Das Schöne daran: Das gelingt uns (nahezu) auf Anhieb, weil das Gehirn als ein nur knapp bemessener „Arbeitsspeicher“ nur leicht strukturierte Texte frei zu „halten“ vermag.

Eine Not, aus der wir eine Tugend machen: Denn noch bevor die erste Zeile auf dem Blatt ist, steht die Meldung bereits. Bringen wir sie aufs Papier, brauchen wir nur noch textlichen Feinschliff. Durch dieses Sprechen-zum-Schreiben-fürs-Sprechen stellen wir sicher, dass der fertige Text leicht zu sprechen sein wird und – ein schöner Nebeneffekt – praktisch versprechersicher ist (weil er ja bereits im Kopf „gesprochen“ wurde).

Meldungen, die mit der 5-Dimensionen-Technik entstehen, sind im Ergebnis…

  • kompakt (sie sind „nur“ fünf Sätze lang)
  • umfassend (die zentralen Dimensionen werden behandelt)
  • attraktiv (der Hörer bekommt in jedem Satz einen wichtigen, neuen Aspekt)

Nicht zuletzt lassen sie sich zügig schreiben, denn die Struktur gibt dem Redakteur ein verlässliches Raster an die Hand. Und: Sie sind leicht umzuschreiben, weil jede Dimension zugleich ein möglicher neuer Einstiegspunkt in die Story in den Folge-„Runden“ ist.


In dieser Reihe bereits erschienen:

# 1: Be first! Be right! But first: Be relevant! hier
# 2: Schreib KEINE Meldungen! hier
# 3: Eine Frage des Respekts hier
# 4: Schreib´aktivierend! hier
# 5: Give-me-five!

Demnächst hier:

# 6: Nutz´ den Adlerblick!
# 7: (An)Sprechen statt (Vor)Lesen!

From → Norbert Linke

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