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Nachrichtenzukunft #3: Eine Frage des Respekts („Erzähl es mir, als sei ich vier“)

5. Februar 2016

Nachrichtenleute, gerade wenn sie neu sind im Job, haben oft noch den Wissenschafts-Jargon aus der Uni drauf, der zwar präzise ist, aber blutleer und farblos. Am Desk bekommen sie es dann mit Polit-Sprech und Juristendeutsch zu tun. Ihren Meldungen bekommt Beides nicht. Hier sind Chefs und Mentoren gefordert, einen Perspektivendreh anzustoßen, hin zu Kunden-, also Hörer-Orientierung. Augenhöhe statt top-to-down! Kommunikation! Das Konzept Erzähl-es-mir-als-sei-ich-vier kann dabei helfen. Wenn wir unserem 4-jährigen Neffen etwas erklären (oder der Oma mit 84, die sich schon schwer tut mit dem Verstehen) – wie stellen wir das an? Wie klingt das? Gewiss anders als das, was wir tagsüber auf den Sender geben. Kleinteiliger, schlichter, step-by-step. Wir würden stets überprüfen: Kommen wir an? Und notfalls eine weitere erklärende Schleife einziehen. Und es würde uns gelingen („Junge, wenn Du das erklärst, versteh´ ich das immer“). Warum also dann nicht auch im Radio? Was hält uns ab, den Nachrichten-Hut abzunehmen? Nachrichten einfacher zu schreiben, unterstützender, zuvorkommender, immer im Blick, dass unser Job erst getan ist, wenn wir verstanden werden! Einfacher zu schreiben bedeutet nicht, unseren Hörer für dumm zu halten. Es ist einfach eine Frage des Respekts. Auch der Oberstudienrat ist morgens am Rasierspiegel noch nicht auf Solltemperatur. Mancher ist es den ganzen Tag lang nicht. Und wollen wir auf alle als Hörer verzichten, denen „elaborierter Sprache-Code“ zu fordernd ist? Jungen Leuten zum Beispiel, die eben noch die BRAVO lasen und jetzt den SPIEGEL für sich entdeckt haben? Die wir dringend im Blick behalten müssen, wenn wir auch in Zukunft noch ein Publikum haben wollen. „Unsere Hörer wissen schon, was gemeint ist“, diese Einstellung ist nicht akzeptabel. Jede Meldung muss aus sich heraus für Jedermann auf Anhieb zu verstehen sein. Kontexte liefern wir mit. Also: Zuvorkommender schreiben, erklärender und unterstützender. Sich immer wieder neu überprüfen: Könnte das mein Nachbar verstehen? Meine Bäckersfrau? Ihr halbwüchsiger Sohn? Kommunikation ist nicht, was gesendet wird. Kommunikation ist, was ankommt!


In dieser Reihe bereits erschienen:
# 1: Be first! Be right! But first: Be relevant! hier
# 2: Schreib KEINE Meldungen! hier
# 3: Eine Frage des Respekts
# 4: Schreib´ aktivierend! hier
# 5: Give-me-five! hier

Demnächst hier:
# 6: Nutz´ den Adlerblick!
# 7: (An)Sprechen statt (Vor)Lesen!

 

 

From → Norbert Linke

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