Ab in´s Web: Wie das Radio planmäßig Hörer vertreibt


Haben wir sie noch alle? Das moderne Radio pusht Online. Und bekommt nichts zurück! Botschaft im Subtext an die Hörer: „UKW ist ja ok. Aber echten Mehrwert gibt´s nur im Netz“. Auf Website, Facebook-Präsenz, Twitter-Kanal und vielleicht sogar per WhatsApp. Ein echtes Ärgernis! Crossmediales Teasen gibt´s allem Anschein nach nur in einer Richtung. Als Einbahnstraße: Weg vom Radio, hin zum Web! Das kann es doch nicht sein! Sollen Hörer nicht mehr hören, sondern nur noch klicken? Und wer zahlt die Rechnung? 

Mit seiner Radio-Marke auf möglichst vielen Ausspiel-Kanälen präsent sein – schön & gut! Aber muss Online nicht auch einen Beitrag leisten für´s lineare Programm? Die Cash-Cow, die es auf absehbare Zeit ist? Dazu beitragen, dass Hörer generiert werden? Zählbare Hörer, die einzahlen aufs Konto, wenn der Anruf von der AG Media-Analyse kommt?

Online die News On-Air teasen: Ein Muss

Schlimm, wie wenig Online unternimmt, speziell den Radio-Nachrichten Hörer zuzuspielen. Nämlich so gut wie nichts! Selbst bei Nachrichten-Lagen wie dieser:

ABy Atomunfall

Breaking News sind die Domäne von Twitter. News wie die des (zumindest aus heutiger Sicht vermeintlichen) Atomunfalls in der Ukraine alarmieren Jeden. Was macht die Antenne-Redaktion daraus? „Einzelheiten gleich auf einer Pressekonferenz“? Wo kann ich die sehen? Wo hören? Gibt es einen O-Ton? Was sagt der Reporter? Fehlanzeige! „Alles zum möglichen Atomunfall in der Ukraine laufend im Programm von Antenne Bayern [Link zum Webstream]“. Mindestens so! Kein Post ohne Call-to-Action!

Please, tease me: Mit Emotion, mit Sinnlichkeit – mit Radio

Viele Posts rund um nachrichtliche Stoffe wirken wie Sackgassen, in die Nachrichtenthemen gestoßen werden. Allenfalls, dass noch auf eine Textseite im Web verlinkt ist. Und dann: Sendeschluß.

ffhbikerneu

Vertan ist die Chance, Audio zu teasen, Radio, ein Hör-Erlebnis, ein (kleines) Radio-Ereignis. Denn das wollen wir doch: Hören, wie es klingt, was der Biker dort inszeniert hat im Tunnel! Wie die entsetzten Anwohner klingen, die Zeuge des Spektakels wurden? Wie der Streifenpolizist, der die installierte Kamera entdeckte und auf dem Revier mit den Kollegen inspizierte?

Onliner´s Bringschuld: Die Cash-Cow lineares Radio pampern!

Die head-down-Generation hört kein Radio? Die Marktforschung besagt das Gegenteil. Entsprechend tun die Sender Alles, um ihre Programme eben auch auf die mobile devices jugendlicher Zielgruppen zu bringen. Stichwort: Radio-Player.

Der moderne User wechselt eben nicht das Gerät, um Radio zu hören, sondern startet bloß eine weitere App. Nie war es leichter, einem auf Facebook & Co platzierten Teaser auf das On-Air-Produkt mit einem Fingerwisch zu folgen.

Der Haken ist ein anderer: Man muss es schon können, einen Teaser zu formulieren, der tatsächlich teast. Denn Social-Media-Posts machen Sinn für´s Radio nur als Teaser, als Sprungbrett zurück auf´s lineare Programm. Nicht aber als Headlines:

srfnewsüberblick

Mit Headlines ist oft Alles schon gesagt. Mehr will ich als Hörer womöglich gar nicht wissen. Laune auf´s On-Air-Produkt machen sie in der Regel nicht. Das erleben wir schon On-Air oft genug. „Mehr dazu um“ ist kaum in der Lage, Menschen zu animieren, im Auto sitzen zu bleiben, geschweige denn den Kanal oder die App zu wechseln. Nur um des Sendeplans willen zu teasen, teast eben gar nicht.

Was teast, ist vielmehr das Versprechen von Emotion: Wut, Trauer, Entsetzen, Freude, Bewunderung, Erleichterung und vieles andere mehr. Gefühle lassen uns im Auto sitzen bleiben, nicht Fakten. Wenn Online auf On-Air teasen soll, heißt das in der Konsequenz: Tease Emotion, die ich hören kann, tease Audio, tease – Radio!

2 Kommentare zu „Ab in´s Web: Wie das Radio planmäßig Hörer vertreibt

  1. Wer beim 140-Zeichen-Dienst das langweilige Wort „PK“ nimmt, eignet sich bei breaking news (GAU) für micht nicht als Informationsmedium, wenn ich schon online bin. Gesetzt den Fall, ich sehe den Tweet von AB: sofort suche ich mir eine Quelle wie die BBC, die mit höherer Wahrscheinlichkeit nah am Geschehen ist.
    Bei der hyperlokalen Tunnelgeschichte ist das „Backselling“ auf die Geld-Kuh sicher von Vorteil. Natürlich nur, wenn ein Praktikant -pardon- Reporter nachliefert.

  2. „Weg vom Radio, hin zum Web!“ – als Hörer muss ich sagen: Ja was denn sonst?

    Deutsche Privatradios hören sich fur mich durch die Bank so an, als würden da nur vorproduzierte Sendungen eines Dreimannbetriebes laufen, nur unterbrochen durch automatisch eingespielte belanglose Ansagen und zugekaufte Ultrakurz“nachrichten“ einmal pro Stunde.

    Würde ich auf einen Tweet eines Radiosenders mit einem interessanten aktuellen Ereignis stossen, ginge ich ins Web.

    Auf die Idee, in so einem Fall das Programm eines privaten Radiosenders einzuschalten, dessen Studio vermutlich eh gerade menschenleer wäre, käme ich nicht im Traum.

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