Aktivierend schreiben: Raus aus der Negativismus-Falle!


Ohne Drama geht es nicht. Ohne Konflikt und Krise bleiben Nachrichten kraftlos und flau. Mit Harmonie lassen sich keine packenden News produzieren. Richtig ist aber auch: Viele Nachrichtensendungen triefen geradezu vor Not und Elend. Der Versuch, mit „guten“ Nachrichten gegen Negativismus anzusenden, ist jedoch eine falsche Konsequenz. Vielmehr brauchen „negative“ Stoffe einen aktivierenden „Dreh“…

Negative Inhalte dürfen durch einen sprachlichen Negativismus nicht quasi gedoppelt werden – mit der Folge, dass sich der Hörer desillusioniert fühlt und wie gelähmt, wenn er News hört. Viele Texte aber verstärken negative Stoffe durch eine solche Machart. Ein aktivierender Stil tut das nicht. Seine Essentials:

1)

Passiv-Konstruktionen meiden! Geschehen „passiert“ nicht. Es gibt immer einen Akteur. Und: Keine intransitiven Verben (solche ohne Objekt) oder Reflexiv-Verben! 

  • „…ist es zu einem Schusswechsel gekommen“ –> „…feuerten die verfeindeten Gruppen aufeinander“
  • „…hat sich eine schwere Explosion ereignet“ –>“…entzündete ein Funke das Benzin, sodass der Tank explodierte“
  • „…es wird erwartet“ –> „…Teilnehmer der Konferenz sagen, sie würden wohl noch bis in den frühen Morgen tagen“

2)

Formulierungen meiden, die den Schluss nahelegen, ein Sachverhalt sei abgeschlossen, wo das gar nicht der Fall  ist:

  • „…warum das Flugzeug abstürzte ist unklar“ –> „Experten des Luftfahrtbundesamtes suchen am Unglücksort nach Hinweisen auf die Unglücksursache“
  • „…wie sich die Tat abspielte bleibt offen“ –> „Aktuell vernimmt die Polizei Nachbarn, die möglicherweise Augenzeugen der Tat waren“
  • „…ob die Übereinkunft Bestand hat ist ein Rätsel“ –> „Oppositionspolitiker sagen, das Bündnis werde beim ersten Konflikt auseinander brechen“

3)

Floskeln meiden! „Unklar ist“ legt z.B. den Schluss nahe, ein Sachverhalt habe keine Ursachen, Hintergründe etc. Tatsächlich aber gibt es immer Gründe und Ursachen eines Geschehens; sie sind lediglich noch nicht bekannt. 

Nicht zuletzt ist es mit Blick auf die Aussenwirkung eines Programms ungeschickt, dem Hörer zu sagen, was man nicht weiß. Niemand hört Nachrichten, um zu erfahren, was „noch unklar“ ist. Also: Positiv formulieren, wo immer es geht!

Kurz und gut: Es gibt viele schlimme Dinge, über die in den News berichtet werden muss. Der Hörer soll sich und die Welt aber nicht hilflos-passiv erleben, sondern engagiert und zuversichtlich. Hier können wir durch überlegte Textarbeit einen Beitrag leisten.

Das hat nichts mit Schönfärberei zu tun, sondern mit einer Sicht, die dem Hörer anstelle einer desolaten Augenblicks-Beschreibung die Aussicht gibt, dass die Dinge besser werden.

Das ist aktivierender Nachrichten-Stil.

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