Bad News are Good News are Bad News? Warum „gute“ Nachrichten so langweilig sind!


„Immer nur Katastrophen und Unglück. Schreib´ doch mal was Positives“: Jeder Newsredakteur kennt das von seinem Chef. Immer wieder versuchen Redaktionen deshalb, eine Rubrik „Gute Nachrichten“ einzurichten oder wenigstens „die Gute zum Schluss“ zu platzieren (aktuell etwa ist Antenne Bayern mit der „guten Nachricht aus Bayern“ im Tagesprogramm immer um Halb on-air). Oft werden diese Versuche rasch wieder eingestellt – als sei nichts gewesen. Warum? Aus gutem Grund…

„Bad News are Good News“, lernt schon der Volontär. Warum das so ist, sagt ihm niemand.

Ein Grund: Der Hörer nimmt Nachrichten auch als Unterhaltung. Um Nervenkitzel zu spüren und die Ausschüttung von Adrenalin. Kurz, um Langeweile zu vertreiben. Stoffe mit Innen-Spannung können das. Stoffe also, wo unterschiedliche Interessen im Spiel sind (Regierung – Opposition, Arbeitgeber – Gewerkschaften usw.). Wo es also etwas los ist in Form von Debatte und Streit, Konflikt und Kontroverse, Krieg und Krise.

Ein zweiter Grund, der „Klassiker“ – aber noch nicht der am tiefsten reichende – ist, dass Journalisten eben die Aufgabe haben, Missstände, Konflikte und Krisen aufzuspüren und zu thematisieren. Dagobert Lindlau, lange Jahre ARD-Chefreporter, brachte das (sinngemäß) sehr griffig auf diese Formel:

Journalisten sind wie Klempner. Niemand erwartet, sie sollten sich nicht um die tropfenden Wasserhähne kümmern, sondern um die Millionen, die einwandfrei funktionieren.

Meist übersehen wird hingegen ein dritter Grund, der ganz tief im Menschen verankert ist. Und der aus Urzeiten bis in die Gegenwart wirkt. Denn die Evolution ist eine Schnecke!

Die Gehirnforschung sagt, dass wir beim Betrachten der Umwelt nicht einfach auf Reize reagieren, sondern stets aktiv unsere Umgebung „scannen“ und gezielt nach Neuem Ausschau halten. Warum? Weil wir die Welt kontrollieren wollen und müssen – um zu überleben. Der prähistorische Mensch musste stets auf der Hut sein vor wilden Tieren, Unwetter und vor Konkurrenten um Nahrung und Schlafplätze. Das prägte ihn. Und tut es bis heute!

Auch der moderne Mensch sucht als erstes Schutz, Sicherheit und Stabilität. Wir sind sensibilisiert für Konflikte, Krisen und Katastrophen – denn sie könnten unsere Lebensbedingungen von einem Moment auf den anderen umstürzen. Folge: Wir konsumieren „Bad News“ wie gebannt. Heisst: Das alte Programm in uns läuft weiter.

Viele negative Stoffe sind in diesem Sinne „News You can Use“: Die Reaktorkatastrophe – selbst am anderen Ende der Welt („Pass´auf, wo Du Deinen Fisch kaufst“), der Horror-Crash auf der Autobahn („Gib´ acht, zu wem Du Dich als Beifahrer ins Auto setzt“), der Mord in der Nachbarschaft („Augen auf: Ist der Täter noch auf freiem Fuss?“).

„Bad News“ generieren also tatsächlich attraktive Nachrichten. Sie finden ihr Publikum. Richtig ist aber auch: Die morgendliche News-Show darf nicht zur Apokalypse werden. Sodass der Hörer gar nicht mehr aufstehen mag.

Auch negative Stoffe lassen sich aktivierend aufbereiten. Wie das geht, demnächst hier…

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