Kürzer! Klarer! Verständlicher! Online-Tools helfen


Verständlichkeit ist das A & O von Radio-Nachrichten. In der Radio-Wirklichkeit sieht es damit aber oft schlecht aus. Behördendeutsch und Politikersprache, die Sätze vollgestopft mit Details, Nominal-Konstruktionen ohne Ende. Nicht selten bleiben wichtige Begriffe und Abkürzungen im Text unerklärt. Ein Drama! Was aber ist „verständlich“? Die Lesbarkeitsforschung sagt: Wort- und Satzlängen sind die zentralen Grössen. Heißt: Kurze Sätze und Wörter mit wenigen Silben verbessern grundsätzlich die Verständlichkeit eines Textes. 

Im Training mit Nachrichtenredakteuren geht es deswegen stets darum zu zeigen, wie Sätze auf-den-Punkt gebracht werden können. Dabei spielt das Konzept „1 Gedanke = 1 Satz“ die entscheidende Rolle: So entstehen schlanke Sätze wie von selbst.

Wolf Schneider plädiert seit langem leidenschaftlich dafür, so kurze Wörter zu benutzen wie irgend möglich. Schneider sagt: Je kürzer ein Wort ist, desto intensiver und farbiger ist es. „Liebe“, „Trauer“, „Haß“- viele starke Wörter im Deutschen haben nur eine Silbe. Und sind darum so viel kraftvoller als ihre langatmigen, bürokratischen (und farblosen) Umschreibungen („emotionale Befindlichkeit“).

In der gesprochenen Sprache verwenden wir deshalb – ohne uns dessen bewußt zu sein – erwiesenermaßen signifikant kürzere Wörter als wenn wir beispielsweise einen Text schreiben. Eine interessante Beobachtung, die einen ganz neuen Workflow bei der Formulierung von Nachrichtenmeldungen nahelegt: Wer den Blick fest auf´s Papier (bzw. den Monitor des PC) geheftet hat, kann garnicht anders, als Schreibtext zu produzieren – geschriebene Sprache, die am Mikrofon nur leidlich in gesprochene Sprache zurückverwandelt werden kann. Wer aber Sätze „freihändig“ formuliert, also im Kopf, benutzt Sprechsprache (die es dann nur noch schriftlich zu fixieren gilt).

Hintergrund: Der „Arbeitsspeicher“ des Gehirns ist relativ schwach darin, mit vielen Informationen gleichzeitig zu jonglieren. Das zwingt zu Kürze. Mit verblüffenden Ergebnissen: Sätze, die man sich buchstäblich vorstellen kann, sprechen sich dramatisch leicht, und sind gleichzeitig – zwei Seiten derselben Medaille – mühelos zu verstehen. Nicht zuletzt: Die Versprecherwahrscheinlichkeit geht gegen Null!

Ein schönes Hilfsmittel, um Lesbarkeit zu testen, sind Webseiten wie z.B. www.leichterlesbar.ch und www.stilversprechend.de (eine Auswahl findet sich hier). Sie fußen auf dem sogenannten Flesch-Index, entwickelt von dem (in Wien gebürtigen) US-Sprachforscher Rudolf Flesch (1911-1986). Er entwickelte eine Formel, die Lesbarkeit „mißt“. Im Kern funktioniert sie so, daß Texte als umso lesbarer gerankt werden, je kürzer a) die verwendeten Sätze sind und b) je weniger Silben die verwendeten Wörter haben.

Auf den zitierten Webseiten finden sich Tools, die die Flesch-Formel im Hand-umdrehen anwendbar machen. Text, der überprüft werden soll, wird in die Suchmaske einkopiert, und wenige Augenblicke später wird ein Index-Wert ausgegeben, der anhand einer Tabelle Auskunft gibt, als wie lesbar der gegebene Text eingestuft wird. Die Skala geht bei leichterlesbar.ch von 0-20 („Allgemeine Geschäftsbedingungen“ und „Amtsdeutsch“) bis hin zu 80-90 („klassische Werbesprüche“ und „Slogans“) und 90-100 („Comics“). Ein Wert von 50-60 sollte für gut geschriebene Nachrichtentexte zu schaffen sein.

Ganz gleich, ob man nun den ausgegebenen Index-Werten im Einzelnen glaubt oder nicht (die verschiedenen Tools geben unterschiedliche Werte aus, weil die für´s Englische konzipierte Originalformel unterschiedlich für die deutsche Sprache modifiziert wurde) – verblüffend ist allemal der Effekt, wie sich mit gezielten Text-Korrekturen der Index-Wert in die Höhe treiben läßt.

Gerade in Workshops spornt das die Teilnehmer immer wieder zu sportlichem Ehrgeiz an. Wenngleich man über die „Formel“ streiten kann, ihren Zweck haben Flesch & Co. damit allemal erfüllt – wenn Lernen zugleich Spaß macht …

2 Kommentare zu „Kürzer! Klarer! Verständlicher! Online-Tools helfen

    1. Vielen Dank für Ihre Nachricht. Wir gehen dem Problem nach, haben es allerdings auf dem heimischen Chrome-Desktop nicht. Inzwischen versuchen Sie doch einfach einen anderen Browser.

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